'Public Money; Public Code' - der logische nächste Schritt?!

April 23, 2025 – 3 Min. Lesezeit

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Jetzt da die ganze Welt das Prinzip “Public Money; Public Code” verinnerlicht hat ist es an der Zeit für den zweiten Schritt, jetzt muss neben der Entwicklung Freier Software auch der langfristige Einsatz und damit die langfristige Finanzierung folgen.

“Public Money; Public Code” ist einer der erfolgreichsten Initiativen der Free Software Foundation Europe (FSFE) der letzten Jahre, vielleicht sogar die erfolgreichste. Ich bin immer wieder im Alltag überrascht von wem ich diesen Slogan alles höre und auf welchen Laptops ich entsprechende Sticker finde. Es ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit geworden und gehört zum guten Ton, diesem Prinzip in der öffentlichen Verwaltung zu folgen.

Was man bei aller Euphorie aber nicht vergessen darf ist das Software, anders als physikalische Produkte, nie fertig ist. Wird an (nicht mit!) einer Software nicht mehr gearbeitet ist sie wertlos. Software muss ständig gewartete werden, Fehler müssen behoben werden, Funktionen müssen an neue Bedingungen angepasst werden und nicht zuletzt muss Software sicher gehalten werden. Daher ist die Finanzierung neuer Funktionen oder auch komplett neuer Freier Software ein guter erster Schritt. Für eine nachhaltige europäische Softwarelandschaft ist aber die dauerhafte Finanzierung der Schlüssel zum Erfolg.

Diese dauerhafte Finanzierung lässt sich für Community getriebene Projekte durch Spenden oder non-profit Organisationen wie der Open Technology Fund (OTF) realisieren. Sie haben aber ein großen Nachteil, sie sind vom guten Willen anderer abhängig. Spenden sind häufig auch das, was in schwierigen Zeiten als erstes gekürzt wird. Live kann man das gerade beim OTF mitverfolgen, nachdem Donald Trump die Mittel der für die Förderung zuständige US Agency for Global Media so weit gekürzt hat, dass sie nicht mehr handlungsfähig ist.

Daher brauchen wir etablierte Wirtschaftskreisläufe um die viele Unternehmen zu finanzieren die schon heute Freie Software in Europa entwickeln und um ihr langfristiges bestehen am Markt zu sichern. Das ganze ist kein Selbstzweck, nur so können wir eine nachhaltige Softwarelandschaft in Europa aufbauen und die so dringend nötige Unabhängigkeit sichern.

Daher habe ich die Aussage von Jutta Horstmann (zu dem Zeitpunkt noch Vorsitzende der Geschäftsführung des ZenDiS) auf dem Fachtag der FSFE sehr begrüßt:

„Wir können uns kritische Abhängigkeiten unserer öffentlichen IT-Infrastruktur von den USA nicht länger leisten. Die öffentliche Verwaltung muss zwischen Alternativen wählen können, sie muss mitgestalten und auf Anbieter Einfluss nehmen können. Am besten geht das mit Open-Source-Software. Wir fordern daher einen verpflichtenden, schrittweise steigenden Mindestanteil von Open-Source-Software bei der Software-Beschaffung der öffentlichen Hand.

Eine ähnlich deutliche Forderung hat es leider nicht in den Koalitionsvertrag der kommenden Regierung geschafft. Trotzdem, jetzt da alle “Public Money; Public Code” verinnerlicht haben brauchen wir den zweiten Schritt: Die öffentliche Verwaltung muss nicht nur die Entwicklung Freier Software unterstützen sondern diese am Ende auch für den täglichen Einsatz beschaffen und sich dadurch nachhaltig an der Finanzierung der Software beteiligen.

Nur wenn es selbstverständlich ist, dass nicht nur bei der Entwicklung neuer Software(-Funktionen) sondern auch bei der Beschaffung fertiger Lösungen Freie Software bevorzugt wird. Wenn es zu einer Selbstverständlichkeit wird, dass man über die gesamte Betriebszeit vertraglich zugesichert den Hauptentwicklern und denen die Dienste darum herum anbieten ähnliche Beträge zahlt wie man sonst für proprietäre Lösungen ausgeben würde. Nur dann werden wir ein nachhaltiges Freie Software Ökosystem in Deutschland und Europa aufbauen können welche uns die dringend benötigte digitale Souveränität sichert.

Zum Abschluss noch etwas positives, wir müssen nicht bei Null anfangen. Schleswig-Holstein geht hier bereist in die richtig Richtung. Es bleibt zu hoffen, dass sich andere hieran ein Beispiel nehmen.


Author
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Björn Schießle
Aktiv in der Freie-Software-Bewegung seit den 90er.
Mitglied der Generalversammlung der FSFE.
Mitbegründer und Pre-Sales Lead von Nextcloud.


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